
Du kämpfst gegen Stau, Schulsystem und Ungerechtigkeit – und verlierst dabei deine Energie. Das geht auch anders.
Das erwartet dich in diesem Artikel:
- Warum innerer Widerstand dich als Mutter still und leise erschöpft – ohne dass du es merkst
- Die zwei Arten, wie wir mit Widerstand umgehen: Kampf und Vermeidung – und was beide mit dir machen
- Warum wir gegen Dinge ankämpfen, die wir sowieso nicht ändern können – und was das kostet
- Meine Geschichte: Als mein Mama-Herz im Widerstand war
- Was passiert, wenn wir unsere Gefühle einfach wegdrücken und so tun, als wären sie nicht da
- Warum Widerstand dort entsteht, wo dir etwas wirklich wichtig ist – und was das über dich aussagt
- Wie Selbstmitgefühl den Unterschied macht – und warum es keine Schwäche ist
- Eine konkrete Übung, die du sofort anwenden kannst – auch mitten im Mama-Alltag
Du kämpfst. Jeden Tag.
Gegen Überforderung, gegen Ungerechtigkeit, gegen das Gefühl, dass irgendetwas einfach nicht so sein sollte, wie es ist.
Vielleicht gegen das Schulsystem, das dein Kind nicht wirklich sieht. Gegen den Partner, der mal wieder nicht bemerkt, was du schon wieder alleine trägst. Gegen die Weltpolitik, die dir Angst macht. Gegen deine eigene Erschöpfung, die du dir eigentlich gar nicht leisten kannst.
Dieser innere Kampf hat einen Namen: Widerstand.
Er ist einer der stillen, am meisten unterschätzten Energieräuber in unserem Leben.
Was ist innerer Widerstand und warum entsteht er?
Innerer Widerstand ist diese Reaktion in uns, die sagt: „Das darf nicht so sein. Das will ich nicht fühlen. Das muss sich ändern – am besten sofort.“
Er entsteht fast immer dort, wo ein tiefer persönlicher Wert verletzt wird. Gerechtigkeit. Respekt. Selbstbestimmung. Fürsorge.
Er hat eine gute Absicht: Er will uns schützen. Er will den Schmerz fernhalten.
Das Problem ist: Er hält den Schmerz nicht fern. Er drückt ihn nur tiefer und erschöpft uns dabei.
Zwei Wege in den Widerstand: Kampf oder Vermeidung
Wenn wir mit etwas konfrontiert werden, das sich nicht richtig anfühlt, reagieren wir als Menschen fast immer auf eine von zwei Arten. Wir kämpfen oder wir weichen aus. Beide Strategien sind zutiefst menschlich. Beide haben ihren Preis.
Kampf: Wir gehen gegen die Realität an
Kennst du das? Du stehst im Stau und merkst, wie die Anspannung in dir steigt. Du schimpfst innerlich, vielleicht auch laut. Du blickst auf die Uhr. Du grübelst, warum das immer dir passiert. Dabei kannst du den Stau nicht auflösen. Kein bisschen.
Oder das Wetter: Es regnet seit Tagen, der geplante Ausflug mit den Kindern fällt ins Wasser, du spürst, wie sich Frust in dir aufbaut gegen etwas, das du schlicht nicht kontrollieren kannst.
Oder die Weltpolitik. Die Nachrichten. Die Ungerechtigkeit, die du siehst und nicht ändern kannst.
Wir sind wütend auf das, was ist, obwohl wir es nicht ändern können. Wir kämpfen gegen die Realität. Das kostet uns unglaublich viel Energie. Auf Kosten unserer eigenen Gesundheit, unserer Nerven, unserer Lebensqualität.
Als Mütter kennen wir das auf einer ganz besonderen Ebene. Wir kämpfen gegen Schulsysteme, gegen Strukturen, gegen gesellschaftliche Erwartungen. Wir wollen für unsere Kinder das Beste und stoßen immer wieder an Grenzen, die wir nicht verschieben können. Das tut weh. Der Widerstand dagegen ist so verständlich.
Was wir nicht ändern können, das können wir nicht ändern. Was wir ändern können, ist unser Umgang damit. Das verändert alles: unser inneres Erleben, unser Stressempfinden, unsere Gesundheit. Ganz nebenbei auch das, was unsere Kinder von uns erleben. Eine Mutter, die nicht permanent im Kampfmodus ist, sondern die gelernt hat, sich selbst zu halten und zu beruhigen.
Vermeidung: Wir verleugnen, was wir fühlen
Die andere Art, mit Widerstand umzugehen, ist leiser, aber genauso erschöpfend.
Wir funktionieren einfach weiter. Wir schieben die Gefühle weg. Wir sagen uns: „Jetzt ist keine Zeit dafür.“ Oder: „Anderen geht es viel schlechter.“ Wir lenken uns ab, mit dem Handy, mit Essen, mit Beschäftigung, mit noch mehr Tun.
Wir verleugnen innerlich, was wirklich da ist.
Das fühlt sich kurzfristig wie Erleichterung an. Doch was wir nicht fühlen wollen, bleibt trotzdem da, nur unter der Oberfläche. Es sammelt sich. Irgendwann, oft in einem Moment, in dem wir gar nicht damit rechnen, bricht es sich Bahn. Als Überreaktion, als Tränen, als totale Erschöpfung, als das Gefühl, einfach nicht mehr zu können.
Indem wir unsere Gefühle verleugnen, nehmen wir uns selbst nicht ernst. Wir behandeln unsere eigene innere Welt so, als wäre sie nicht wichtig. Als dürfte sie nicht da sein.
Was dauerhafter Widerstand wirklich mit uns macht
Ob Kampf oder Vermeidung: Beide Formen des Widerstands halten unser Nervensystem dauerhaft in Alarmbereitschaft. Die Stressforschung zeigt, dass chronischer innerer Widerstand einer der Haupttreiber von Erschöpfung, Reizbarkeit und dem Gefühl ist, nie wirklich ankommen zu können.
Wir verhärten innerlich. Wir verlieren den Kontakt zu uns selbst. Wir spüren weniger, nicht nur das Schwierige, sondern auch das Schöne.
Denn wenn wir uns gegen Schmerz verschließen, verschließen wir uns oft auch gegen Freude, Leichtigkeit und echte Verbindung. Mit unseren Kindern. Mit unserem Partner. Mit uns selbst.
Der Preis des Widerstands ist hoch. Er wird selten laut bezahlt, sondern leise, Tag für Tag.
Meine Geschichte: Als mein Mama-Herz im Widerstand war
Ich erinnere mich noch sehr gut an die Schulzeit meiner Tochter.
Sie war sehr ehrgeizig und schriftlich immer gut. Mündlich tat sie sich schwer, das war einfach nicht ihre Art. Unser Schulsystem toleriert das nicht. Es reicht schlicht nicht aus, schriftlich zu beweisen, dass man den Lernstoff verstanden hat, wenn man sich nicht auch lautstark im Unterricht meldet. Das hat sich natürlich auf ihre Noten ausgewirkt.
Beim Elternsprechtag sagte die Lehrerin dann: „Sie muss sich einfach öfter melden, auch wenn sie irgendetwas sagt.“
Sag doch einfach irgendwas.😳 Als ob unsere Welt unbedingt noch mehr Menschen bräuchte, die einfach losreden, ohne nachzudenken…
Ich war sprachlos. In mir brodelte es. Wut. Ohnmacht. Das Gefühl von tiefer Ungerechtigkeit.
Das war nur ein Beispiel von vielen. Mein Widerstand gegen dieses Schulsystem hat über Jahre einen Großteil meines Denkens eingenommen. Ich habe gekämpft, innerlich, manchmal auch äußerlich. Ich habe die Ungerechtigkeit immer wieder durchgekaut. Ich habe mich aufgeregt, erklärt, gegrübelt.
Weißt du was? Während ich das jetzt schreibe, merke ich: Es stößt mir immer noch sauer auf. Dabei sind meine Kinder längst ihren Weg gegangen.
Das zeigt, wie lange Widerstand in uns wirken kann, auch wenn die äußere Situation schon längst vorbei ist. Es zeigt mir auch, welchen Wert er in mir berührt hat: Gerechtigkeit. Widerstand entsteht fast immer dort, wo uns etwas wirklich wichtig ist. Er ist kein Zeichen von Schwäche, er ist ein Hinweis auf das, was uns am Herzen liegt.
Er darf nur nicht unser ganzes Denken und Fühlen bestimmen.
Was wir statt Widerstand wirklich brauchen ist Selbstmitgefühl
In der Achtsamkeits- und Mitgefühlspraxis, wie sie in MBSR und MBCT gelehrt wird, gehen wir einen anderen Weg.
Wir kämpfen nicht gegen das, was ist. Wir wenden uns ihm zu.
Nicht weil wir es gutheißen. Nicht weil wir aufgeben. Sondern weil wir uns selbst ernst nehmen, so wie wir es für eine gute Freundin tun würden, die uns gerade erzählt, wie es ihr geht.
Wenn eine gute Freundin weinend bei dir sitzt und sagt: „Ich bin so erschöpft, ich halte das nicht mehr aus“ – würdest du dann sagen: „Stell dich nicht so an, anderen geht es viel schlechter“? Natürlich nicht. Du würdest sie in den Arm nehmen. Du würdest sagen: „Ich sehe, dass es dir gerade schwer fällt. Ich bin für dich da.“
Genau das ist Selbstmitgefühl. Genau das können wir lernen, uns selbst gegenüber zu üben.
Selbstmitgefühl bedeutet nicht, in Selbstmitleid zu versinken. Es bedeutet nicht, Dinge einfach hinzunehmen, die wirklich nicht okay sind. Es bedeutet: Ich nehme mich selbst ernst. Ich bin für mich da. Ich erkenne an, was ist, bevor ich versuche, es zu verändern.
Das ist keine Schwäche. Es ist eine der kraftvollsten Fähigkeiten, die wir als Mütter entwickeln können. Für uns selbst. Für unsere Kinder, die lernen, wie man mit sich selbst umgeht, indem sie beobachten, wie wir es tun.
Eine konkrete Übung für den nächsten Moment des Widerstands
Wenn du das nächste Mal merkst, dass du innerlich gegen etwas ankämpfst, gegen eine Situation, ein Gefühl, eine Person, dann probiere Folgendes:
1. Halte kurz inne. Du musst nichts tun. Einfach kurz stoppen.
2. Spüre in deinen Körper. Wo spürst du den Widerstand gerade? Ein Druck in der Brust? Ein Ziehen im Bauch? Ein Engegefühl im Hals?
3. Lege eine Hand auf dein Herz, oder auf die Körperstelle, wo du das Gefühl spürst.
4. Benenne innerlich, was da ist. Nicht bewerten, einfach benennen. „Da ist Wut.“ „Da ist Erschöpfung.“ „Da ist Schmerz.“
5. Atme ein paar ruhige Atemzüge dorthin. Mit jedem Ausatmen gibst du dem Gefühl ein bisschen mehr Raum.
6. Sag dir innerlich: „Es ist gerade schwer. Ich bin für mich da.“
Das verändert nicht sofort die äußere Situation. Es verändert, wie du ihr begegnest. Manchmal ist genau das der Anfang von allem.
Fazit: Widerstand macht es schwerer – Mitgefühl macht es möglich
Innerer Widerstand ist zutiefst menschlich. Er entsteht überall dort, wo uns etwas wichtig ist und wir gleichzeitig spüren, dass wir es nicht kontrollieren können.
Auf Dauer ist er trotzdem einer der größten Energiediebe in unserem Mama-Alltag.
Was wir wirklich brauchen, ist kein härterer Kampf. Was wir brauchen, ist ein freundlicherer, ehrlicherer Umgang mit uns selbst. Die Fähigkeit zu sagen: „Ja, das ist gerade schwer. Ich bin trotzdem für mich da.“
Nicht perfekt. Nicht sofort. Schritt für Schritt.
Genau dabei möchte ich dich begleiten.
Vielleicht nimmst du aus diesem Artikel schon einen kleinen Impuls für dich mit.
Und gleichzeitig weiß ich, wie hartnäckig Gedanken gerade am Abend sein können…
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WER HIER SCHREIBT
Ich bin Carmen – Heilpraktikerin für Psychotherapie und Achtsamkeitslehrerin (MBSR & MBCT).
Seit vielen Jahren begleite ich Menschen dabei, einen gesünderen Umgang mit Stress, Sorgen und innerer Anspannung zu entwickeln.
In meiner Praxis habe ich immer wieder erlebt, wie belastend Grübelschleifen, Mental Load und dauerhafte Überforderung werden können – besonders für Frauen, die im Alltag viel Verantwortung tragen.
Auch aus eigener Erfahrung kenne ich diese Situation. Als Mutter von zwei kleinen Kindern geriet ich selbst einmal in eine Phase tiefer Erschöpfung. Diese Erfahrung hat meine Arbeit nachhaltig geprägt.
Heute ist es mir ein großes Anliegen, Frauen dabei zu unterstützen, wieder mehr innere Ruhe, Gelassenheit und Vertrauen in sich selbst zu entwickeln – bevor Stress und Überforderung zu ernsthaften gesundheitlichen Problemen führen.
Auf meinem Blog teile ich Impulse aus der Achtsamkeit, der achtsamkeitsbasierten kognitiven Therapie (MBCT) und meiner therapeutischen Arbeit.
Wenn du dir mehr Unterstützung auf deinem Weg zu innerer Ruhe und Stabilität wünschst, schau dich gerne auch bei meinen Kursen, Meditationen und Angeboten um.







